Einführung in die Beikost – Empfehlungen und Tipps von der Expertin

Beikost

Oft schneller als gedacht ist der Moment da, wenn euer Baby bereit für Beikost ist. Man steht vor vielen neuen Herausforderungen: Welchen Brei soll man geben? Ab wann soll man mit der Beikost starten? Was sind die Beikostreifezeichen? Und noch viele weitere Fragen ergeben sich. In diesem Beitrag erfährst du Tipps von der Ernährungsberaterin Annemarie Ott für die Beikost deines Babys.

Annemarie Ott ist selbstständige Ernährungsberaterin in Wien und Umgebung. Sie hält unter anderem regelmäßig Vorträge für die Initiative der Österreichischen Gesundheitskasse „Richtig essen von Anfang an“. Die kostenlosen Workshops reichen von der Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit über „Babys erstes Löffelchen“ bis zu Mitessen mit den Erwachsenen.

Damit auch du und deine Familie von ihrer Expertise profitiert, hat sie mir in unserem Interview viele Fragen rund um das Thema Beikost beantwortet. Viel Freude beim Lesen des Interviews!

Checkliste für die Einführung von Beikost

Hier findest du eine Checkliste, was allgemein bei der Einführung von Beikost zu beachten ist:

Welches Gemüse/Obst eignet sich für den Start?

Prinzipiell eignet sich hier nahezu jede Obst- und Gemüsesorte. Aufgrund ihrer leichten Süße sind vor allem die klassischen Gemüsestarter Karotte und Kürbis sehr beliebt. Es spricht aber auch nichts gegen Pastinake, Zucchini, Rote Rübe, Gemüsefenchel oder Spinat. Probier es einfach aus, was deinem Baby besonders schmeckt.

Beliebte und günstige Obstsorten zum Beikostbeginn sind Apfel, Birne, Erd-, Him- oder Heidelbeeren, Marille und Pfirsich. Wähle am besten immer heimisches und saisonales Bio-Obst und Gemüse aus, damit dein Baby bestens versorgt ist.

Muss es immer Brei sein? Was gibt es für Alternativen?

Zum Zeitpunkt der Beikosteinführung (ab dem 5. Lebensmonat) lieben die meisten Babys einen warmen und auch fein pürierten Brei. Feinspitz-Babys reklamieren dann jedes noch so kleine Stückchen, das sich in die Mahlzeit verirrt hat. Ein Brei ist auch wunderbar dazu geeignet, nährstoffreiche Zutaten perfekt zu kombinieren, wie z.B. Gemüse, Fleisch, Kartoffeln und Öl.

Allerdings gibt es auch Babys, die Breie verabscheuen, dann kannst du deinem Kind auch etwas festere Stückchen oder Fingerfood (weich gedünstete Karotte/Apfel, zerdrückte Beeren, gedämpfte weiche Kartoffel, …) anbieten. Wichtig ist dabei nur, dass die Lebensmittel wirklich weich sind, damit sich dein Schatz nicht verschluckt. Damit die Beikost dann aber nicht zu einseitig wird und dein Baby alle wichtigen Nährstoffe bekommt, die es zum Wachsen benötigt, sollten auch Fleisch, Fisch oder sonstige eisen- und zinkhältige Lebensmittel (Hafer-, Hirseflocken, Hülsenfrüchte) in den Speiseplan integriert werden. Da darfst du dann einfach kreativ sein. Viele Babys mögen einerseits Fingerfood, in dem sie z.B. eine weich gedünstete Karotte in der Hand halten und „abbeißen“ können und zugleich mit einem Brei gefüttert werden. Hier sind einfach Individualität, Geduld und starke Nerven gefragt. Denn oft sieht der Essplatz dann ziemlich chaotisch aus.

Beikost

Ich kann nicht gut kochen/habe wenig Zeit, gibt es empfehlenswerte fertige Breie? Worauf soll ich achten?

Selbstverständlich sind auch hochwertige Beikostprodukte (Gläschen, Babyflocken, Pulver zum Anrühren) im Handel verfügbar. Wichtig ist, dass du auf die Altersangaben achtest und 2- bis 3-mal pro Woche einen Brei mit ca. 75 g Fleischzubereitung (püriertes Fleisch aus dem Gläschen), der mit Gemüse und einer Stärkebeilage (Kartoffeln, Reis, Nudeln,..) und Öl ergänzt wird, oder 5-mal pro Woche Gläschenmenüs mit Fleisch (Fleischanteil hier sehr gering) auswählst. Idealerweise sollte darunter ein- bis zweimal wöchentlich eine Fischmahlzeit gegeben werden.

Produkte, die Salz, Zucker bzw. zuckerhaltige Zutaten wie z.B. Fruchtzucker (Fructose), Saccharose, Traubenzucker (Glucose, Dextrose), Dicksaft, Saftkonzentrate, Honig, Schokolade, Schokoladenpulver oder Sirup enthalten, sollten gemieden werden. Vor dem 6. Lebensmonat solltest du deinem Baby auch keine Kuhmilch oder andere Tiermilche oder –produkte davon (z.B. Joghurt) geben. Achte außerdem auf eine abwechslungsreiche Auswahl an Gläschen und Breien.

Ab wann kann das Baby/Kleinkind ganz normal mit den Eltern mitessen?

Der Übergang von der Säuglingsernährung zur Familienkost ist ein schrittweiser, der bereits je nach Entwicklung und Vorlieben deines Babys ab dem 10. Lebensmonat beginnen kann. Ab dem ersten Geburtstag sind dann die meisten Babys nicht nur kautechnisch, sondern auch vom Stoffwechsel in der Lage, normale Lebensmittel mitzuessen. Hinzu kommt, dass sie ohnehin sehr neugierig sind auf alles, was du isst bzw. was auf dem Esstisch so alles präsentiert wird. Du musst dir auch bewusst sein, dass dein Essverhalten jenes deines Kindes sehr prägt, denn du und die nächsten Bezugspersonen dienen als Verhaltensvorbild. Isst du oft und gern Gemüse, so wird dies vermutlich auch dein Kind tun.

Folgende Lebensmittel sollte dein Schatz jedoch nicht konsumieren: sämtliche rohe tierische Lebensmittel (wie z.B. Sushi, Graved/geräucherter Lachs, weiche bzw. rohe Eier, Rohwürste wie z.B. Salami, Rohmilch, Rohmilchkäse), Innereien, Limonaden, Getränke mit künstlichen Süßstoffen, Kaffee, Grün-/Schwarztee, Eistee, Colagetränke, kleine harte Lebensmittel, wie Nüsse, Samen, Körner, feste ganze Beeren etc. Auch auf Süßigkeiten sollte weitgehend verzichtet werden.

Gemüse

Wie lange soll ich parallel stillen/Flaschennahrung geben?

Das parallele Stillen während der Beikost und auch innerhalb des zweiten Lebensjahres hat einen großen gesundheitlichen Benefit für dein Baby. Du kannst so lange weiter stillen, so lange du und dein Baby dies möchten. Auch das Fläschchen kann bis ins zweite Lebensjahr gegeben werden. Um die Selbstständigkeit zu fördern, kann die Milch dann auch im Becher angeboten werden.

Ich vertrage kein Gluten. Ist es notwendig, dass mein Baby auch glutenhaltige Lebensmittel isst?

Grundsätzlich sollten immer nur nach begründeter ärztlicher Diagnose große Lebensmittelgruppen – wie glutenhaltige – aus dem Speiseplan ausgeschlossen werden. Denn das Weglassen aller glutenhaltigen Lebensmittel schränkt die Nahrungszufuhr massiv ein. Da zahlreiche Produkte auf Weizen-, Dinkel- und Roggenbasis (herkömmliches Brot, Gebäck, Nudeln oder sämtliches Außer-Haus-Essen) wegfallen würden, wird das Risiko für einen Mangel unnötig erhöht. Außerdem trägt eine vielfältige Ernährungsweise dazu bei, vor Allergien zu schützen. Je reichhaltiger das Lebensmittelangebot, desto effektiver wird das Immunsystem trainiert.

Ich ernähre mich vegetarisch. Benötigt mein Baby Fleisch und Fisch?

Eine vegetarische Kost ist für Babys nicht empfehlenswert, da Fleisch und Fisch unter anderem reich an gut verfügbarem Eisen und Zink sind. Das sind jene Nährstoffe, die dein Baby im Beikostalter für seine Entwicklung verstärkt benötigt. Wenn du dein Baby trotzdem gerne vegetarisch ernähren möchtest, solltest du dies mit deinem Kinderarzt, einer spezialisierten Diätologin oder Ernährungswissenschaftlerin besprechen.

Weitere Informationen rund um Beikost & Ernährung eures Babys

Das Thema Ernährung und Beikost begleitet viele Eltern bereits ab der Schwangerschaft. Damit wird oft der Grundstein für das weitere Leben gelegt, es lohnt sich also definitiv darauf zu achten. Es gibt heutzutage zum Glück viele Informationen zu dem Thema, unten findest du eine Liste an hilfreicher Links und Empfehlungen.

Hier findest du weiteres Material und Vorträge zum Thema Beikost:

Annemarie Ott – Ernährungsberatung
„Tut gut!“-Babykochbuch von „NÖ tut gut“
Kostenlose Vorträge von „Richtig essen von Anfang an“

Annemarie Ott
Annemarie Ott ist Ernährungsberaterin und hält Vorträge für die ÖGK

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